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Von Arnhem bis Vietnam

Eine Geschichte mit Dr. Johan Vehof
Tja, warum ist Dr. Johan Vehof Arzt geworden?
„Ich denke, das kommt daher, dass ich es mag, Menschen zu helfen, Probleme zu analysieren, zu lösen und dabei etwas mit meinen Händen zu schaffen.“ Schon als Kind war er ständig mit Technologie beschäftigt.
„Zuerst habe ich an meinem Crossrad geschraubt, dann an Mopeds und später an Motorrädern.“ Außerdem brach er sich als Kind zweimal einen Arm. „Mich hat fasziniert, dass ich ins Krankenhaus ging und sie das wiederherstellen konnten.“
Viele Jahre später zählt Johan Vehof zu den bekanntesten Handchirurgen der Niederlande. Er arbeitet inzwischen seit 14 Jahren im Arnheimer Krankenhaus Rijnstate. Neben der Hand- und Handgelenkchirurgie ist er als Plastischer Chirurg auch auf die Gesichtschirurgie spezialisiert, zum Beispiel auf die Behandlung von Schisis der Lippe, des Kiefers und/oder des Gaumens, einer angeborenen Spalte der Oberlippe, des Kiefers und/oder des Gaumens.
Care4Tina
Diese Spezialisierung brachte ihn vor mehr als 15 Jahren mit der Stiftung Care4Tina in Kontakt, als er noch am RadboudUMC in Nijmegen tätig war. Eine der Gründerinnen reiste 2009 als Freiwillige in ein Kinderheim in der ehemaligen chinesischen Hauptstadt Xi’an und war dort vom kleinen Mädchen Tina tief berührt. Tina hatte eine Schisis der Lippe, des Kiefers und des Gaumens und wurde unter anderem deshalb ausgesetzt. Die Kombination aus Ein-Kind-Politik, eingeschränkter Versicherungsdeckung und hohen Kosten der Kindererziehung führte dazu, dass viele Kinder mit einer angeborenen Erkrankung abgegeben wurden.
Ein Jahr nach der Gründung von Care4Tina stellte Vehof ein medizinisches Team zusammen und reiste erstmals nach Xi’an, um Kinder mit Schisis der Lippe, des Kiefers und des Gaumens zu behandeln. Seine Motivation: „Als ich Vater von Zwillingen wurde, wurde mir noch deutlicher, wie sehr es darauf ankommt, wo die Wiege steht.“
Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie reiste er jährlich mit der Stiftung in das Projekt in der 12-Millionen-Einwohner-Stadt Xi’an. Dort gibt es zwar ein großes Kinderkrankenhaus – „Dort kommen 5.000 Kinder pro Tag“ –, aber bei weitem nicht alle Eltern können ihren Eigenanteil an dem Eingriff bezahlen. Wird ein Kind ausgesetzt, ist es natürlich noch schwieriger, die richtige Hilfe zu erhalten.
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Nachhaltige Wirkung
Insgesamt half er mit dem Team fast 500 Kindern direkt durch einen oder mehrere Eingriffe – und noch vielen mehr indirekt. Denn die damals übliche Operationsweise vor Ort erwies sich nicht als optimal. „Wenn man einen Eingriff am Gaumen zu früh oder mit der falschen Technik durchführt, wächst der Kiefer nicht richtig. Es entsteht Narbengewebe und das Wachstum wird gehemmt.“ Die Ärzt:innen dort sahen viele Kinder mit einer Form von Kreuzbiss und verstanden nicht gut, warum.
„Ein wichtiger Teil einer Aussendung war daher, neue Techniken zu vermitteln und die richtigen Behandlungsprotokolle einzuführen. Das ist moderne Hilfe: Man sorgt dafür, dass die Arbeit wirklich eine nachhaltige Wirkung hat.“
In den Jahren 2018 und 2019 nahm Vehof auch an einem Projekt auf Sumatra teil, in einem Krankenhaus und Rehabilitationszentrum der Schwestern Franziskanerinnen. Dort behandelte er neben Schisis der Lippe, des Kiefers und des Gaumens vor allem Verbrennungen. „Verbrennungen durch offenes Feuer und heißes Wasser kommen dort häufig vor. Ich habe Kinder gesehen, denen es wirklich sehr schlecht ging. Tiefe Verbrennungen führen oft zu ausgeprägter Narbenbildung, wodurch ein Finger, die Hand, das Handgelenk, der Ellenbogen, die Achsel, das Knie oder der Hals in eine Zwangsstellung geraten können.“
Help2Smile
Als während der Corona-Pandemie die Ziele von Care4Tina erreicht waren, gründete Vehof 2021 mit zwei Freunden die Stiftung Help2Smile als Spin-off. Ziel ist es, dort medizinische Hilfe zu leisten, wo sie benötigt wird.
Botschafterin der Stiftung ist die TV-Moderatorin und kulinarische Autorin Janny van der Heijden. „Als ich sie fragte, ob sie jemanden wüsste, der Botschafterin werden möchte, sagte sie spontan: ‚Das will ich machen.‘“
Vehof: „Ich freue mich sehr über ihr Engagement und ihren Enthusiasmus. Sie ist eine engagierte und warmherzige Person, und dank ihrer Bekanntheit kann sie wirklich einen Unterschied machen.“
Im Mai 2024 reiste Vehof mit dem Team zum ersten Mal nach Vietnam. Schisis der Lippe, des Kiefers und des Gaumens kommen dort häufig vor, vermutlich auch als Spätfolge des Vietnamkriegs und des Einsatzes des Entlaubungsmittels Agent Orange. Dieses Mittel wird auch mit dem Auftreten von Spina bifida (offener Rücken) sowie verschiedenen Krebsformen in Verbindung gebracht.
Die zweite Aussendung ist für April 2026 geplant. Vorgesehen ist, über fünf Jahre hinweg jährlich in Vietnam zu operieren, Unterricht zu geben und Ärztinnen und Ärzte auszubilden, sodass das Team in Hue – wie zuvor die Ärzt:innen in Xi’an – die Behandlung anschließend vollständig eigenständig durchführen kann.
Darüber hinaus ist Vehof als Vorstandsmitglied der Stiftung Interplast Holland aktiv. Für Afrika, unter anderem Ghana, läuft das Projekt „Interplast goes digital“: In monatlichen Online-Fallbesprechungen werden gemeinsam mit lokalen Ärzt:innen Probleme und Lösungsansätze diskutiert und geteilt.
„Das ist wirklich ein wechselseitiger Austausch“, betont er. „Viele Menschen denken, dass die Versorgung in Afrika schlechter organisiert ist, aber wir sind immer wieder erstaunt über das Wissen und die Findigkeit der Ärzt:innen dort.“
www.help2smile.nl
Komplexe Anatomie
In den Niederlanden war Vehof fast zehn Jahre Vorstandsmitglied der Niederländischen Gesellschaft für Handchirurgie und ist seit vier Jahren in der Niederländischen Gesellschaft für Rheumachirurgie (Nerass) aktiv. Im vergangenen Jahrzehnt hat er sich zunehmend auf Hände und Handgelenke fokussiert. Er behandelt nahezu das gesamte Spektrum von Hand- und Handgelenksproblemen: von Morbus Dupuytren und dem Karpaltunnelsyndrom über Arthrose bis hin zum Ersatz von Daumensattel-, Finger- oder Handgelenksgelenken. Außerdem behandelt er Kinder mit spastischer Arm- und Handproblematik.
„Hände haben eine unglaublich komplexe Anatomie, und genau das macht sie für mich so interessant. In der Behandlung suche ich immer auch nach dem Menschen hinter den Patient:innen: Wer sind sie, was machen sie, was macht ihnen Freude, was ist ihnen wichtig? Das Schönste ist, wenn Menschen wieder schmerzfrei sind und ihre Arbeit, ihren Sport oder ihr Hobby wieder aufnehmen können.“
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Orthese
Um ein Missverständnis auszuräumen: „Viele Menschen denken, ein Besuch beim Handchirurgen führt automatisch zu einer Operation. Häufig starten wir aber mit konservativen Behandlungen, zum Beispiel Handtherapie oder dem Tragen einer Schiene.“ Nicht selten verschwinden die Beschwerden dann oder nehmen so weit ab, dass eine Operation nicht notwendig ist.
„Da kommt Manometric ins Spiel: Ihre Orthesen sind nicht nur funktionell, sondern auch komfortabel und optisch ansprechend. Und das ist entscheidend, denn wenn eine Orthese nicht bequem ist oder nicht gut aussieht, wird sie schlicht nicht getragen. Ich erlebe, dass Patient:innen mit einer Manometric-Orthese oft sehr zufrieden sind.“
Ein Drittel
„Ich bin froh, daβ wir in Arnhem inzwischen zwei Scanner haben: einen hier in Rijnstate und einen bei Handtherapie.net an der Van Oldenbarneveldtstraat. Wir arbeiten eng zusammen mit Handtherapie und Handrehabilitation sowie mit dem Hand- und Handgelenkzentrum (HPC).“
„Hand- und Handgelenkversorgung ist Teamarbeit. Ich sage immer: Ein Drittel des Ergebnisses kommt vom Chirurgen, ein Drittel von der Handtherapeutin oder dem Handtherapeuten und ein Drittel von den Patient:innen selbst, die Übungen durchführen. Der:die Therapeut:in ist dabei der Coach: Er oder sie sorgt dafür, dass die Patientin oder der Patient weiß, was zu tun ist, und motiviert ist, die Übungen gut und konsequent umzusetzen.“
Die Orthese der Zukunft? „Meiner Meinung nach wird das eine smarte Orthese sein - ausgestattet mit Sensoren, die Therapeut:innen und Chirurg:innen rückmelden, wie die Rehabilitation verläuft. So kann man live verfolgen, ob jemand gut vorankommt, und bei Bedarf frühzeitig nachsteuern.“







