Die treibende Kraft hinter dem neuen EVO

„Ich sehe noch so viele Chancen, es noch viel besser zu machen.“

Ein Gespräch mit Vincent Laagland

Neuer Scanner

Es ist noch ein Prototyp, betont Vincent Laagland mit Blick auf den brandneuen Scanner für Sprunggelenk- und Fußorthesen (EVO). Gleichzeitig ist das System bereits so ausgereift,dass der Patentantrag bereits eingereicht ist. „Unsere eigenen Orthopädietechniker haben gesagt, es werde niemals gelingen, Sprunggelenk- und Fußorthesen auf Anhieb passend zu fertigen. Aber in 95 von 100 Fällen klappt das inzwischen schon“, sagt der engagierte Produktmanager. „Und wir lernen noch jeden Tag dazu. Jede Orthese, die wir fertigen, ist wieder ein Stück besser als die vorherige.“

Vincent ist der Motor hinter dem Projekt, das vor gut anderthalb Jahren gestartet ist: Orthesen für Sprunggelenk und Fuß, die – analog zu den Handorthesen – Menschen befähigen, wieder das zu tun, was sie lieben. Kein leichtes Unterfangen; unter anderem, weil bei Sprunggelenk und Fuß ganz andere und deutlich größere Kräfte wirken als an der Hand. Doch ein Jahr später ist auch diese Herausforderung gelöst.

Verbundwerkstoff

Bei vielen etablierten Orthesen ist Kohlenstoff die Materialwahl; auch Vincent und sein Team schauten zunächst auf diese sehr leichten und zugleich sehr starken Kohlenstofffasern. Doch schon bald begann die Suche nach Alternativen. „Kohlenstoff ist zwar leicht und stark, aber nicht besonders flexibel. Außerdem haben wir in der Praxis gesehen,dass Kohlenstofforthesen der dynamischen Belastung beim Gehen nicht lange standhalten“, so Vincent. Der Fokus verlagerte sich auf Verbundwerkstoffe. Aber welche Materialien genau sollten eingesetzt werden – und in welchen Verhältnissen? Für diese Fragestellung suchte das Team die Zusammenarbeit mit einem Experten, der als Experte in der Automobil- und Extremsportbranche gearbeitet hat.

Neben der Materialforschung wurden zahlreiche Designvarianten der Orthese entwickelt. Parallel wurde intensiv an einem vollständig neuen Scanner gearbeitet, der Fuß und Unterschenkel in einem einzigen Scan erfassen kann.

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Umfangreiche Tests

Zusätzlich arbeiteten die Softwareentwickler gemeinsam mit einem internationalen Experten an einem Algorithmus, der – wie bei den Händen – präzise berechnet, wie eine Orthese im Einzelfall gefertigt werden muss. Wie steif oder wie flexibel eine Orthese entlang Unterschenkel, Sprunggelenk und Fuß ausgelegt sein muss, kann sich von Patient zu Patient erheblich unterscheiden – ein Hinweis darauf, wie komplex ein guter EVO ist.

Daraus ergab sich wiederum die Zusammenarbeit mit einem Ingenieurteam zur Entwicklung eines Prüfstands, um das Langzeitverhalten der Orthese zu testen. Das Ergebnis: Die Orthese kann sich mindestens zwei Millionen Mal biegen, ohne zu brechen. In der Praxis entspricht das deutlich mehr als 2.500 Kilometern Gehen.

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Praxis

In Zusammenarbeit mit fünf Ärzt:innen an fünfzehn Rehabilitationszentren tragen inzwischen mehr als hundert Menschen die neue Orthese täglich – und nahezu ohne Ausnahme sind sie begeistert. Jede Orthese liefert zudem, wie bereits bei den Handorthesen, neue Erkenntnisse und Daten, die in den Algorithmus zurückgeführt werden. So wird jedes Produkt erneut ein Stück besser als sein Vorgänger.

„Wir sehen schon jetzt einen klaren Mehrwert gegenüber bestehenden Produkten“, sagt Vincent. „Sie passen in vielen Fällen sofort, sie wiegen nur ein paar hundert Gramm, und in den meisten Fällen können Menschen ihre normalen Schuhe weiter tragen. Außerdem ist die Orthese komfortabel und ermöglicht ein natürliches Gangbild. Wenn das nicht der Fall ist, landet eine Orthese in den meisten Fällen letztlich im Schrank.“

Stolz

Wie bei einem ukrainischen Mädchen, das ihre Orthese nur zu Hause gelegentlich trug, weil sie sich vor ihren Mitschülerinnen und Mitschülern schämte. „Dann haben wir ihr eine Orthese gemacht, mit der sie ihre normalen Schuhe anziehen konnte und worüber die Hose passte. Ich habe ihren Vater ein paar Wochen später angerufen, und er erzählte,dass sie die Orthese nun gerade über der Hose trägt, weil sie sie allen zeigen will. Man wünscht sich,dassein Kind einfach Kind sein kann – aber dass ein Mädchen dann auch noch stolz auf das Produkt ist, das man für sie gemacht hat, damit hätte ich nie gerechnet. Seit ich selbst auch ein kleines Kind habe, berührt mich das noch mehr. Und wir stehen erst am Anfang. Ich sehe noch so viele Chancen, es noch viel besser zu machen.“

Jede Schiene erzählt eine Geschichte.