Stets auf der Suche nach Neuem

„Menschen hören viel zu schnell: Dann machen Sie eben etwas anderes.“

Ein Gespräch mit Kerensa Douma

Kerensa Douma gehört zu den Menschen, die 25 Stunden in einen Tag packen. In der kommenden Woche, erzählt sie an diesem Freitagnachmittag im November, stehen drei Auftritte bei verschiedenen Ensembles an, bei denen sie Querflöte, Altquerflöte und Piccoloflöte spielt („dabei trage ich Gehörschutz“). Die Ausbildung zur Synchronsprecher:in („die habe ich über Social Media entdeckt und dachte: das mache ich einfach“) hat sie gerade abgeschlossen, und die Website stemstudiokerensa.nl ist bereits online.

Vor allem aber ist sie seit dreißig Jahren Ergotherapeutin und führt seit genau zehn Jahren ihre eigene Handtherapie-Praxis in Harderwijk. Nach einigen Jahren in Pflegeeinrichtungen begann sie 2009 im Jansdal-Krankenhaus in ihrem Wohnort zu arbeiten. Dort stellte sie fest, dass Handprobleme nahezu ausschließlich im Zuständigkeitsbereich der Physiotherapeut:innen lagen. Aber warum eigentlich, dachte sie. „Ich habe relativ schnell beschlossen, die Weiterbildung zur Handtherapeutin zu machen. Ich fand das einfach sehr spannend, weil man den ganzen Tag mit Händen zu tun hat.“

Alltägliche Dinge

„Bei Handproblemen können Physiotherapeut:innen und Ergotherapeut:innen sich sehr gut ergänzen – das ist meine Erfahrung. Wenn jemand nur unter starken Schmerzen einen Deckel auf- oder zudrehen kann oder nicht mehr in der Lage ist, ein Brot zu schmieren, kann man behandeln und Übungen anleiten, die die Beschwerden beheben. Nicht selten kommen die Beschwerden jedoch wieder. Als Ergotherapeutin schaue ich viel stärker darauf: Wie entstehen diese Beschwerden ganz konkret? Wenn man das weiß, kann man überlegen, wie sich Alltagshandlungen verändern lassen. Ein Beispiel: Jemand hat beim Reinigen der Arbeitsplatte starke Schmerzen beim Auswringen des Putztuchs. Aber die Arbeitsplatte kann man auch mit einem Schwamm reinigen, den man ausdrückt statt auswringt. Bei schwer zu behandelnden Handbeschwerden hören Menschen außerdem häufig: Dann machen Sie eben etwas anderes. Das finde ich zu kurz gedacht. So funktioniert das nicht, wenn etwas dein großes Hobby ist.”

{{gallery1}}

Handarbeiten

Sie setzte das bei ihren Handarbeiten in die Praxis um – einem weiteren Hobby. Dadurch lernte sie Mariëtte van Oostveen vom Handarbeitsgeschäft Wolatelier Knots kennen, und Kund:innen mit Handproblemen fanden schon bald den Weg zu ihr. Kerensa schaute dann gemeinsam mit ihnen, wie sie ihr Hobby trotzdem weiter ausüben konnten. „Irgendwann sagte eine Kundin: Du weißt so viel darüber – gibt es nicht ein kleines Heft, in das ich ab und zu schauen kann, wenn ich Beschwerden bekomme?“ Das blieb nicht ungehört: Kerensa schrieb („es war Corona-Zeit, also gab es auch genügend Zeit“) zusammen mit Mariëtte ein reich bebildertes Booklet darüber, wie man bei verschiedenen Handbeschwerden dennoch häkeln, stricken oder sticken kann.

{{gallery2}}

Neopren

Kerensa beschreibt sich als jemanden mit einer gesunden Neugier auf neue Produkte. „Wenn ich einen Katalog durchblättere und etwas sehe, bei dem ich denke: Was genau ist das – und was könnte ich damit machen? Dann probiere ich das aus.“ So stieß sie in einem Katalog auf Neoprenhandschuhe und dachte an Patient:innen mit notorisch schwer zu behandelnden Sehnenentzündungen an der Hand. In ihrem Kopf begann es zu arbeiten: „Neoprenhandschuhe liegen eng an der Haut an, fördern dadurch die Durchblutung und sorgen durch die Kompression – ähnlich wie Kompressionsstrümpfe – dafür, dass Flüssigkeit aus dem Bereich der tiefen Sehnen besser abtransportiert wird. Und bei neun von zehn Patient:innen hatte ich ohnehin beobachtet, dass Wärme als sehr angenehm empfunden wird – und dafür sorgen Handschuhe ebenfalls.“

Es erwies sich als ein sehr tragfähiger Ansatz: Bei der überwiegenden Mehrheit der Patient:innen, die die Handschuhe ausprobierten, zeigte sich eine deutliche Wirkung. „Ich hatte eine ältere Dame, die sie anzog und fast sofort einen Unterschied spürte. Ein paar Wochen später waren die Beschwerden nahezu verschwunden. Als sie ein paar Wochen danach wiederkam, hätte sie vor Freude fast geweint“, schildert sie einen der eindrücklichsten Erfolge ihres alternativen Behandlungsansatzes.

Sie publizierte 2021 einen Artikel dazu im Ergotherapie Magazine und hielt ein Jahr später einen Vortrag über ihre Ergebnisse beim Jahreskongress der niederländischen Vereinigung für Handtherapie. Soweit sie weiß, hat dieser Ansatz bislang noch nicht breite Nachahmung gefunden. Aber wer weiß – vielleicht wird das noch kommen, meint sie.

Manometric

Im Behandlungsraum steht der Scanner von Manometric. Kurz vor dem Gespräch hat sie noch einen Scan erstellt und nach Den Haag übermittelt – für eine Klientin aus einem Kälbermastbetrieb, die starke Handbeschwerden hat. Und eine andere Patientin kann dank der ManoAir ihr großes Hobby, das Musizieren, wieder aufnehmen – und Kerensa weiß als Musikerin, wie wichtig das ist.

Sie hatte den Scanner zwar schon auf Messen gesehen, dachte aber: Wir sind doch „nur“ eine kleine Praxis. „Aber im letzten Jahr hat Gerben mich angerufen und gesagt: Wir sehen, dass Sie eine eigene Praxis haben und zertifiziert sind – wir möchten gern bei Ihnen einen Scanner platzieren. Das fand ich wirklich besonders, weil ich mich selbst gar nicht als ‚groß‘ wahrnehme – und das ist wirklich der Mercedes unter den Scannern. Und ich sehe, was die Orthesen bewirken: Meine Patient:innen werden schnell und gut versorgt, und zugleich ist das für mein Unternehmen ein enormer Impuls.“

Jede Schiene erzählt eine Geschichte.